Wolfram Leibe – Der Petrus-Zauberer

Sandra legt den zweiten Strauß Petrus zu Füßen.

Sandra legt den zweiten Strauß Petrus zu Füßen. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Unter optimalen Wetterbedingungen ist das 36. Trierer Altstadtfest am Freitag gestartet. Stadtpatron Petrus bekam in diesem Jahr gleich zwei Sträuße, überreicht durch Weinkönigin Sandra I. und Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Und der obligatorische Fassanstich durch den OB ging auch reibungslos über die Bühne. Gute Voraussetzungen für ein gelungenes Fest.

Von Rolf Lorig

Wo parkt man beim Altstadtfest am besten sein Auto? Ganz einfach – entweder in der Tiefgarage oder besser noch man lässt den Wagen gleich zuhause. Doch wenn man wie der reporter im dienstlichen Auftrag unterwegs ist, muss es halt doch das Auto und damit die Tiefgarage sein. An sich keine schlechte Entscheidung. Der Weg über den Viehmarkt zum Hauptmarkt stimmt optimal auf das kommende Geschehen ein. Kurz vor der Brotstraße vermischt sich der Duft von frischem Popcorn mit dem von frisch gebackenem Brot. Dann bringen Dufthölzer ein ganz anderes Geruchserlebnis, das sich nur wenige Schritte weiter mit dem Aroma von Grillgut vermischt.

Die Stadtgarde - Respekt vor diesem Einsatz!

Die Stadtgarde – Respekt vor diesem Einsatz!

In der Konstantinstraße hat das Komitee Trierer Schützen seinen Stand. Hier testen die ersten Besucher ihre Zielgenauigkeit. Auf den meisten Bühnen ist kurz vor 18 Uhr noch nichts los, Roadies richten die Technik für die Bands ein. Etwas weiter, am Pranger, ist man schon fertig. Zwei junge Frauen sitzen in der prallen Abendsonne, kämpfen mit ihrer Musik gegen das Glockengeläut von St. Gangolf an.

Auf dem Hauptmarkt ist es kurz vor 18 Uhr noch relativ ruhig. Die Drehleiter der Berufsfeuerwehr steht für ihren Einsatz bereit, die beiden Feuerwehrmänner Jürgen Sevenich und Daniel Richter beobachten das bunte Treiben. Vor der Bühne stehen die ersten Gäste, einige haben Klappstühle mitgebracht. Unter den Wartenden befindet sich auch Ballon-Helmut. Er hält ein Netz, in dem sich 400 mit Gas gefüllte Luftballons befinden. Dann, um 17:55 Uhr, kommt Leben in die Bude. Mit Blasmusik kündet sich die Stadtgarde an, die den Oberbürgermeister mit seiner Frau Andrea Sand und Baudezernent Andreas Ludwig, Weinkönigin Sandra I. sowie Mitglieder des Stadtrates und Sponsoren zur Bühne geleitet. Respekt vor den Gardesoldaten, die trotz der tropischen Temperatüren mit Perücken und dicken Stoffuniformen diszipliniert marschieren und musizieren. Auf der Bühne wartet bereits Moderator Chris Schmidt, der in der Folge seine Gäste interviewen wird.

Unter Beobachtung: OB beim Fassanstich.

Unter Beobachtung: OB beim Fassanstich.

Und dann ist es soweit: Zu den Klängen der Stadtkapelle gehen der OB und die Weinkönigin zur Drehleiter der Feuerwehr. Jürgen Sevenich öffnet den Korb am Ende der Leiter und hilft seinen Fahrgästen beim Einsteigen. Zügig geht es nach oben in Richtung Petrus. Doch dort tut sich ein Problem auf: Wie befestigt man am besten den ersten Blumenstrauß? Der erfahrene Feuerwehrmann weiß Rat, hilft dem OB aus der Bredouille. In dem Moment öffnet Ballon-Helmut sein Netz und 400 Ballons machen sich auf den Weg in den Himmel. Nach einer kurzen Kurve ziehen sie genau über den Petrusbrunnen nach oben.

Die Zuschauermenge bei der Eröffnung ist noch überschaubar.

Die Zuschauermenge bei der Eröffnung ist noch überschaubar.

Noch ist der zweite Blumenstrauß in den Händen der Weinkönigin. Der Feuerwehrmann dirigiert die Leiter etwas tiefer, so dass Sandra den Strauß in die oberste Brunnen-Tasse zu Petrus Füßen legen kann. Geschafft, jetzt geht es wieder abwärts.

Auf der Bühne wartet die nächste Aufgabe auf den Oberbürgermeister. Mit sicheren Schlägen zapft er das Fass an und erklärt dann wenig später das 36. Trierer Altstadtfest für eröffnet. Erstes Fazit: Der OB muss Petrus persönlich kennen. Denn laut Wetter-Vorhersage lag die Wahrscheinlichkeit für ein Gewitter um 18 Uhr bei 4o Prozent. Petrus aber hielt die Schleusen über der Moselstadt an diesem Abend geschlossen…

Auch beim Altstadtfest: Saöomes Schwestern

Auch beim Altstadtfest: Saöomes Schwestern.

Die Gäste müssen sich im Anschluss an die offizielle Eröffnung noch ein wenig gedulden. Denn eigentlich beginnen die Bands erst ab 19 Uhr mit ihrem Programm. Doch an diesem Abend hetzt niemand herum, es herrscht eine entspannte Stimmung. Die Restaurants, die Tische auf den Straßen haben, sind bereits bestens besucht. Geduldig warten die Trierer und ihre Gäste bei einem kühlen Getränk oder einem Eis auf den Begin des Abends. Das Altstadtfest kann beginnen.

Hintergrund

1980 startete das erste Altstadtfest. Damals noch zur Zeit der Peter und Paul Messe auf dem Viehmarkt. Der Domfreihof war damals noch nicht mit einbezogen, erinnert sich Paula Kolz von der städtischen ttm, dafür wohl aber die Nagelstraße. Die Stadt Trier ist als Ausrichter erst seit 2009 (teilweise) und komplett seit 2010 im Boot. Heute hat das Fest neun Auftrittsplätze, die von über 70 Gruppen bespielt werden. Am Freitag und Samstag darf bis 24 Uhr musiziert werden, am Sonntag bis 23 Uhr. Essens- und Getränkestände dürfen länger öffnen.

Wild und rockig: Die Dom-Piraten

Wild und rockig: die Dom-Piraten.

Stichwort Stände: Rund 150 inklusive dem “Kunst aus eigener Hand”-Markt in der Fahrstraße werben um die Gunst der Besucher. Insgesamt rechnet die ttm laut Paula Kolz an den drei Tagen mit rund 100.000 Besuchern. Und die kommen aus der Großregion, aber auch aus Delegationen aus den Partnerstädten. Wobei diese zum Teil auch beim Programm mitwirken. Auch in diesem Jahr sind wieder Weimar, Ascoli Piceno und die Quattropole-Städte auf den Bühnen vertreten.

Auch für die Sicherheit ist gesorgt. Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste sind ebenso im Einsatz wie Sanitäter, die ihre Basis auf dem Domfreihof haben. Erstmals kommt in diesem Jahr ein “Mobiler Service-Punkt” (MSP) zum Einsatz, der zentral neben den Sanitätswagen auf dem Domfreihof stehen wird. Er dient in erster Linie als Anlaufstelle für alle hilfebedürftigen Personen in Belangen wie Erster Hilfe, Soforthilfe bei Bedrohung oder gar Nötigung sowie als “Lost&Found”-Anlaufstelle, beispielsweise für Eltern und Kinder, die voneinander getrennt wurden. Der Mitarbeiter im MSP wird die jeweils richtigen Einsatzkräfte informieren. Im MSP können Eltern auch kostenlose Armbänder für Ihre Kinder bekommen, auf denen sie Name und Telefonnummer eintragen. Wird das Kind aufgefunden, können die Einsatzkräfte hierdurch leicht die Eltern ermitteln und verständigen. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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