Zarte Poesie mit den Füßen

Ein Sommernachtstraum: Joanna Höpfner als Titania, Elfen: Wanda Bozyk, Louisa Brausch, Elinor Charlier, Lilo Ewald, Kim Anh Hoang, Silvia Hrubik, Simona Hrubik, Victoria Müller, Rebecca Strom, Clara Wiggershaus. Fotos: Bernhard Ehses

TRIER. Glückliche Gesichter, Eleganz und prächtige Kostüme prägten den “Feentanzzauber“ in der Tufa. 61 junge Tänzerinnen und ein Tänzer der Balletschule Birgit Müller lockten am Sonntag 220 Zuschauer in den großen Saal.

Für den reporter besuchte Clemens Sarholz die Aufführung der jungen Nachwuchskünstler

Ein kleiner Junge sitzt in der zweiten Reihe auf dem Schoß einer Dame. “Jetzt wird’s bunt”, ruft er freudig. Und er soll recht behalten: Auf die Bühne kommt eine kleine Horde von noch kleineren Hexen. Sie sind etwa sechs Jahre alt und vielleicht noch nicht ganz so anmutig, wie andere Tänzerinnen des Abends, dafür wird der Saal aber gleich vom kindlichen Glück erfasst – die kleinen Hexen haben sichtlich Freude am Ballett. Sie tänzeln über die Bühne und erzählen in ihren grünen, blauen oder roten Kostümen scheinbar die Geschichte von der Walpurgisnacht. “Oh, die würde ich alle mit nach Hause nehmen“, sagt eine junge Frau leise zu ihrem Nachbarn.

Feen, Hexen und Zauberer stehen im Rampenlicht des Abends. Dafür hat sich Birgit Müller, die Lehrerin der Tänzerinnen und des Tänzers, ganz bewusst entschieden. Denn dieses Jahr wurde in der Ballettwelt der 200. Geburtstag des großen Marius Petipa gefeiert, der seine Epoche als Choreograf dominierte und Meisterwerke schuf, in denen Märchengestalten eine besondere Rolle einnahmen.

Beim Springen sind Christoph Endner, Clara Folz und Zarah Moyal so leichtfüßig, dass man sie nicht hört.

Erhabene Leichtfüßigkeit

Aus zwei seiner Werke, Dornröschen und Raymonda, sieht der Zuschauer kleine Ausschnitte. Aber auch anderen Literaten wird Platz eingeräumt. Beispielsweise erzählen junge Tänzerinnen die Geschichte des Zauberlehrlings von Goethe. Erhaben tritt da Anna Killburg als Hexenmeister auf die Bühne und verkündet ihrem Lehrling (gespielt von Clara Folz), dass er “sich wieder einmal wegbegebe”. Wortlos natürlich. Sie sagt es tänzerisch und, trotz des dramatischen Abgangs, so leichtfüßig, dass ihr erhaben-rabiates Auftreten akustisch nicht zu hören ist.

Kurz sieht man ein ungewolltes Lächeln in ihrem Gesicht. Da steht nun der Zauberlehrling mit kühnem Gesichtsausdruck und heckt die Geschichte aus, die alle kennen. Ein Besen kommt, noch ein Besen kommt, mehr Besen kommen, und dann ganz viele. “Und die er rief, die Geister, ward er nun nicht mehr los.” Dem Zauberlehrling sieht man die Verzweiflung an, und dass er der Lage nicht mehr Herr ist.

Am Schluss stehen 23 Besen auf der Bühne, der Hexenmeister und der Zauberlehrling. Nachdem der Hexenmeister sein Machtwort spricht, lassen die Besen den Kopf hängen und verlassen bedröppelt die Bühne.

Birgit Müller hat das Programm so zusammengestellt, dass jeder die Geschichten versteht, ohne Vorwissen zu haben. Dabei hat ihr auch die Gastchoreographin Beatrice Panero geholfen. Für die älteren und erfahrenen Schüler, die schon eine größere Sensibilität für die Musik entwickelt haben, choreographierte sie das Stück “Fly on“ zum gleichnamigen Lied von Coldplay. Die Tänzerinnen sangen es mit ihrem ganzen Körper.

Dann das letzte Stück des Abends, der Nussknacker. Rauschender und lang anhaltender Applaus. Müller freut sich, dass es gut lief. “Von Anfang bis Ende war der Rhythmus und das Zählen schwierig.” Insgesamt sei das gesamte Programm nicht einfach gewesen. Seit Ende August habe sie ihre Schüler auf den Auftritt vorbereitet. Die Zuschauer sind sich aber einig: Es hat sich gelohnt.


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Erstellt am Autor Clemens Sarholz in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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