Zukunftsdiplom – Lange Puste für das Zugpferd

Mit dem Diplom in der Hand: Das Projekt der Lokalen Agenda 21 für Kinder ist eine Erfolgsgeschichte. Foto: Gabi Böhm

Mit dem Diplom in der Hand: Das Projekt der Lokalen Agenda 21 für Kinder ist eine Erfolgsgeschichte. Foto: Gabi Böhm

TRIER. Es zählt zu den großen Erfolgsgeschichten im Angebot für Kinder in Trier und Umgebung: das “Trierer Zukunftsdiplom für Kinder”. Zum zwölften Mal in Folge wird das Programm von der Lokalen Agenda (LA) 21 Trier e.V. von Mai bis Oktober auf die Beine gestellt, um Kindern mit Exkursionen, Workshops oder Kreativangeboten Nachhaltigkeit zu vermitteln. Das brandneue Programm mit 108 Veranstaltungen für dieses Jahr wurde jetzt in einem sozialen Brennpunkt in Trier vorgestellt.

Von Gabi Böhm

Das Walburga-Marx-Haus in Triers Westen ist im Gewirr einiger eng bebauter Sackgassen oder Einbahnstraßen nicht leicht zu finden. Die Einrichtung liegt geduckt gleich neben mehrstöckigen Miethäusern, die von nicht übermäßig begüterten Bewohnern erzählen. Ein großer Spielplatz gehört zu dem Hort, der als Spiel- und Lernstube ein besonderes pädagogisches Konzept verfolgt: Die ganzheitliche Arbeit zusammen mit der Familie, um so die Lebensbedingungen gemeinsam und nachhaltig zu verbessern, heißt es auf der Website des tragenden Caritasverbands Trier.

Passend ist folglich die Vorstellung des Nachhaltigkeitsprojekts und druckfrischen neuen Programmhefts durch LA-Geschäftsführerin Charlotte Kleinwächter im Turnraum des Horts. “Es ist uns besonders wichtig, am Zukunftsdiplom teilnehmen zu können”, betont Carsten Schmitt, Leiter des Walburga-Marx-Hauses. Wegen des “bildungsbenachteiligten Umfelds des Horts” seien die Angebote des Zukunftsdiploms für die Kinder umso wertvoller, um “über den Tellerrand schauen” und so einen Bezug zur Umwelt finden zu können. Der Hort hat schon wiederholt am Zukunftsdiplom teilgenommen, finanziell unterstützt von der LA, die seit einigen Jahren immer jeweils 1.000 Euro für Horte bereitstellt. Mit dem Geld werden durchschnittlich drei Horte unterstützt, die sich bei der LA bewerben müssen, um so zum Beispiel Fahrten zu finanzieren, damit finanziell schwache Kinder zu den Veranstaltungen oder zur Abschlussfeier im November kommen können.

Zum zwölften Mal stemmt die LA das Zukunftsdiplom. “Es ist ein Zugpferd unseres Vereins!”, bestätigt Kleinwächter. In diesem Jahr sind 62 Veranstalter dabei, davon sechs neue; insgesamt gibt es 159 Einzeltermine, 47 Veranstaltungen sind neu, 82 von 108 Veranstaltungen richten sich explizit an Gruppen. Dass die Idee der Veranstaltungsreihe für Kinder von sechs bis zwölf Jahren nach wie vor glänzend ist, daran lässt eine Gruppe von Hortkindern nicht den geringsten Zweifel. Ihre Erzieherin Gerlinde Wallenborn ermuntert die Kinder, von den Erlebnissen mit dem Zukunftsdiplom im vergangenen Jahr zu berichten – die Hände der Kinder sausen gleich reihenweise in die Höhe. “Die Müllexpedition hat mir am besten gefallen!”, ruft Lukas (8). “Man kann Metall wieder verarbeiten”, erinnert sich Isabel (8). “Da hat es gestunken!”, sagt Sean (7) mit funkelnden Augen. Und den Papa eines anderen Hortkindes hat man bei der Exkursion dort auch gleich noch angetroffen.

Impulse für die Familien

Recycling, Wohlstandsmüll, Müllvermeidung oder die Tauschbörse sind einige der Dinge, die den Kindern damals nahe gebracht wurden. Genauso wie bei einer anderen Exkursion, wo Kinder mit rotem Klee, Sauerampfer und Bärenklau Kräuterbutter und -Quark fabrizierten. “Da ist ganz viel Wissen haften geblieben!”, bestätigt Gerlinde Wallenborn. “Nebenbei nehmen die Kinder ihre Erfahrungen mit nach Hause und üben so einen nicht unerheblichen Einfluss auf ihre Familien aus”, berichtet Carsten Schmitt. Die Kinder seien zwar kein “trojanisches Pferd”, fügt Kleinwächter eilig hinzu. Dennoch ist man für die kindlichen Impulse in ihren Familien und das Ausräumen von Vorurteilen dankbar.

Gerlinde Wallenborn, Charlotte Kleinwächter und Carsten Schmitt sind stolz auf ihre "Diplom-Kinder". Foto: Gabi Böhm

Gerlinde Wallenborn, Charlotte Kleinwächter und Carsten Schmitt sind stolz auf ihre “Diplom-Kinder”. Foto: Gabi Böhm

Obwohl das Zukunftsdiplom nun schon so lange in Trier läuft, geht dem Zugpferd offenbar noch lange nicht die Puste aus. Heiß geliebte Dauerbrenner bei den Kindern seien nach wie vor die Müll- und Schokoladenworkshops. Neu in diesem Jahr sind einige Aktionen mit Bezug zur Ernährung oder Kreativangebote. So können Kinder beim Pflanzentauschmarkt mit Speckstein hantieren, sammeln in Supermärkten weggeschmissenes Essen ein, lernen Trommeln oder gehen mit einer Weinerlebnisbegleiterin auf Spurensuche zwischen Blättern und Rebholz. Mittlerweile kämen zehn bis 20 Prozent der Kinder aus dem Kreis Trier-Saarburg.

Vor zwölf Jahren waren es noch 200 Kinder, die mit ihren sechs gesammelten Stempeln im November das Diplom einheimsen durften. Mittlerweile habe sich die Zahl auf durchschnittlich 150 Kinder eingependelt, sagt Kleinwächter. Vor dem Hintergrund der vielen Ganztagskinder richte sich das Angebot nicht nur an Einzelbesucher, sondern besonders an Horte. Sie können die speziellen Gruppenbuchungen in Anspruch nehmen. Finanziell kann das Projekt dank der Unterstützung von Nikolaus Koch-Stiftung, Sparkasse, Stadtjugendpflege, Stadt Trier und Evangelischem Kirchenkreis auch in 2015 stattfinden. Für das Walburga-Marx-Haus, in dem Kinder vom Baby bis zum Grundschulkind in familiären Kleingruppen leben, ein Glücksfall. Das druckfrische Programm habe man noch nicht durchblättern können, sagt Schmitt. Während des Sommerferienprogramms werde man aber auf jeden Fall das Zukunftsdiplom einbinden. Nachhaltig und zukunftsorientiert eben. Weitere Infos auch unter la21-trier.de. (gb)


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Erstellt am Autor Gabi Böhm in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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