Zusammen ist man weniger allein

Gemeinsam Stärke demonstrieren - die Vertreter der EFG-Mitglieder am Montag beim Pressegespräch im Rathaus mit Oberbürgermeister Klaus Jensen.

Gemeinsam Stärke demonstrieren – die Vertreter der EFG-Mitglieder am Montag beim Pressegespräch im Rathaus mit Oberbürgermeister Klaus Jensen.

TRIER. Weit über 6.000 Arbeitsplätze, davon alleine rund 4.800 in den drei Trierer Krankenhäusern, Umsätze in Millionenhöhe, Synergieeffekte für die Stadt, die Region, den gesamten Wirtschaftsraum über die Grenzen hinweg – die Gesundheitsbranche ist ein harter Standortfaktor für Trier. Doch wie der Volksmund schon sagt: Wer rastet, der rostet – Stagnation ist Rückschritt. Deswegen bündelt die Stadt ihre vorhandenen Pfunde seit 2010 im Europäischen Forum für Gesundheitswirtschaft (EFG), um damit auf dem weiten Markt wuchern zu können – klotzen statt kleckern. Seit Anfang Januar sind auch die Vereinigten Hospitien und die Bezirksärztekammer mit von der Partie. Die Stadt, das Brüderkrankenhaus, das Mutterhaus und das Verbund-Krankenhaus waren bereits als Träger an Bord. Gemeinsame Ziele: Fort- und Weiterbildung, grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Fachkräftesicherung und strategisches Marketing, um die Gesundheitswirtschaft in Trier weiter zu entwickeln.

Je näher das Ende seiner Amtszeit rückt, desto aufgeräumter wirkt Triers Oberbürgermeister. Böse Zungen behaupten ja gerne nicht nur hinter vorgehaltener Hand, die einzige Branche, die von Klaus Jensen profitiert habe, sei die Holzindustrie – bei all den Runden Tischen, die während der letzten acht Jahre im Rathaus aufgestellt worden seien. Deswegen winke ihm nach dem 31. März auch die Ehrenmitgliedschaft in der regionalen Schreiner- und Tischlerinnung. Spritzig-witzig und angriffslustig konterte Jensen am Montag die verbalen Spitzen gegen seine Person. Denn das Europäische Forum für Gesundheitswirtschaft (EFG) ging tatsächlich von einem Runden Tisch aus, den der Sozialdemokrat unmittelbar nach seinem Amtsantritt 2007 initiiert hatte. “Einer der wenigen, die – entgegen der landläufigen Meinung – wirklich während meiner Amtszeit aufgestellt wurden”, frotzelte Jensen gegen seine Kritiker.

Die Struktur des Europäischen Forums für Gesundheitswirtschaft. Foto: EFG

Die Struktur des Europäischen Forums für Gesundheitswirtschaft. Foto: EFG

Die Chronologie spricht für den Trierer Stadtchef: 2010 wurde der gemeinnützige Verein gegründet, 2011 wurde das Leitprojekt EFG schließlich umgesetzt. Daraus entwickelte sich während der letzten acht Jahre ein Modellprojekt, das über die regionalen Grenzen hinaus Vorbildcharakter besitzt – und sogar deutschlandweit hohe Beachtung und Wertschätzung genießt. Die Idee zum EFG reifte in Jensen schon während seiner Zeit als Staatssekretär im Mainzer Sozialministerium. Als Oberbürgermeister goss er die flüssigen Visionen in Form: Aus Konkurrenten wurden Partner, Gegensätze wurden überwunden, Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt, gemeinsame Ziele formuliert. Was für die Arbeit mit kranken, alten und auch sterbenden Menschen gilt, gilt auch hier: Zusammen ist man weniger allein! Bis 2014 wurde der Trägerverein vom Land finanziell unterstützt. Seither steht er auf gesunden eigenen Füßen.

Was das EFG leisten will und soll, lässt sich von nun an konkret auf der neuen Internetpräsenz erkunden. Die Zielrichtung geht dabei deutlich über die thematischen Schwerpunkte der Fachtagungen hinaus. So sagt Günther Matheis von der Ärztekammer, dass in Kooperation zwischen den Universitäten von Luxemburg und Trier sogar eine klinische Fakultät denkbar sei. Zukunftsmusik ja, aber nicht in Moll. Denn darin sind sich alle Beteiligten einig: Die Fachkräftegewinnung ist eine der großen Aufgaben, die es zu lösen gilt. Ungeschminkt räumte etwa Michael Metzdorf vom Mutterhaus ein, dass der Personalmangel an den Kliniken nicht zu leugnen sei. Die Frage sei deshalb: “Wie holen wir Mitarbeiter nach Trier?”

Der Patient steht im Mittelpunkt

Auch hier wird das EFG mehr als nur Pionierarbeit leisten. Mit gezieltem Marketing sollen neue medizinische Fachkräfte für Trier gewonnen, andere in der Stadt gehalten werden. Die Stadt als lebenswerter Ort in ihrer historischen Dimension, aber auch in ihrer Jugendlichkeit und Dynamik in einer der prosperierenden Regionen Europas ist die eine Seite. Die andere fokussiert sich auf die fachliche Kompetenz der hiesigen Gesundheitswirtschaft. In einem eigens entwickelten Lehrplan (Curriculum) können Fachkräfte sich hier in drei Schwerpunkten weiter- und fortbilden. Auch so soll die Attraktivität Triers als Mittelpunkt der Arbeit und des Lebens gesteigert werden. Schließlich sei Trier ein Standort der Maximalversorgung, sagt Metzdorf. Das könne nicht oft genug betont werden. Online können sich Interessenten jetzt auch aktuell über die Stellenangebote in der Trierer Gesundheitswirtschaft informieren.

Die Fort- und Weiterbildung ist ein Schwerpunkt im Forum. Foto: EFG

Die Fort- und Weiterbildung ist ein Schwerpunkt im Forum. Foto: EFG

Um die vorhandenen Potenziale noch besser herauszustellen, will Markus Leineweber vom Brüderkrankenhaus ferner die interne und öffentliche Kommunikation weiter stärken. Für ihn stehen dabei nicht zuletzt auch ethische Fragen, etwa bei der Sterbehilfe, auf der Tagesordnung. Das sieht auch Achim Schütz vom Ökumenischen Verbundkrankenhaus so. Leineweber und Schütz prognostizieren, dass die demografische Entwicklung gerade die Versorgung der älteren Menschen weitaus dringender als bereits derzeit in den Fokus rücken werde. “Deswegen müssen wir”, betont Leineweber, “die sektorenübergreifende Kommunikation weiter verbessern.” Der gemeinsame Grundauftrag lautet: “Noch bewusster wahrnehmen, was wir anbieten müssen.” Für 2015 sind zunächst zwei große Veranstaltungen geplant. Am 15. September der “2. Trierer Intensivpflegetag” und am 3. November der Fachkongress “Gesund bleiben am Arbeitsplatz”.

Vor allen ökonomischen Überlegungen aber steht der Patient und dessen Versorgung stets im Mittelpunkt. “Heute haben wir durch die Zusammenarbeit im EFG eine Qualität in der Versorgung erreicht, die wir vor vier Jahren noch nicht hatten”, erklärt Johannes Weinand, der geschäftsführende Vorstand. Die Kooperation in der Arbeit von unten nach oben garantiere diese hohe Qualität auch in Zukunft. Um die Menschen einzubeziehen und über die Arbeit der EFG-Mitglieder zu informieren, soll das Forum sich auch für die Bürgerinnen und Bürger öffnen – etwa bei einem gemeinsamen Tag der offenen Tür. “Das würde absolut Sinn machen”, betont Leineweber. Die Planungen dafür laufen bereits. (et)

DAS EFG IM NETZ


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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